TT-Homestory mit Andrea Haselwanter-Schneider

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Gastgeberin Andrea Haselwanter-Schneider von der Liste Fritz, die als einzige weibliche Spitzenkandidatin in die Landtagswahl geht, nimmt den verregneten Interviewstart gelassen. 14 Jahre Oppositionsbank haben die Politikerin gelehrt, nicht die Ruhe zu verlieren.

Geduld gehöre zu jenen Eigenschaften, die man als Oppositionspolitikerin einfach mitbringen müsse. „Da kommt es natürlich vor, dass du die gleichen Themen zehnmal einbringen musst, weil die Regierungsparteien sagen, das haben wir schon, das brauchen wir nicht.“ Den einen oder anderen Anlass, bei dem sich der Ärger nicht unterdrücken lässt – der aber nie mit Beleidigt sein einhergehen dürfe –, gibt es dennoch, so Haselwanter-Schneider. „Wir haben schon vor Jahren gesagt, nehmen wir doch Geld in die Hand und rufen wir ein Klimajahr aus, rüsten wir uns im Land für die Zukunft. Jetzt ist die Klimakrise da und wo bitte haben wir Photovoltaikanlagen auf allen öffentlichen Gebäuden?“ Dass Politisieren, Diskutieren und Debattieren auch in den eigenen vier Wänden in Oberperfuss zum Familienleben gehört, sind die Söhne Johannes (20) und Felix (18) längst gewöhnt – sie haben eine Politiker-Mama, seit sie klein sind. Im Herbst gibt es daher im Wahlkampf für Mama helfende Hände, vom Flyerverteilen bis zum Plakataufhängen.

Auch sonst wird die Politkarriere der Mama unterstützt – etwa mit Ratschlägen und dem besonders kritischen Blick des Jüngeren auf die Outfits bei öffentlichen Auftritten. Damit Familienbande so eng sind, „darf man gerade in der Pubertät den Kontakt zu den Kindern nicht verlieren“, ist sie überzeugt. Trotz der Kinder habe sie sich aber für die dauerhafte Berufstätigkeit entschieden. „Da habe ich nie ein schlechtes Gewissen gehabt, sie vernachlässigt zu haben. Ich sehe die Kinderbetreuungseinrichtungen nicht als Aufbewahrungsstätten, sie machen tolle Bildungsarbeit. Dazu hatte ich das Glück, dass ich mir am Institut für Pflegewissenschaften die Arbeit gut einteilen konnte, mein Mann fest mitgeholfen hat und ich später als Politikerin die Unterstützung meiner Mutter hatte.“

Mit den heutigen Lebenshaltungskosten und Preisen bleibe den Frauen aber gar nichts anderes übrig, „als zu arbeiten. Ohne zweites Einkommen schaut es für ganz viele düster aus und deswegen müssen wir als Politik die wichtigen Rahmenbedingungen schaffen. Dazu gehört auch, dass es wie in der Pflege für die verantwortungsvollen Jobs in der Elementarpädagogik eine gute Bezahlung gibt“, erklärt sie am Frühstückstisch. Dass flexiblere Wochenarbeitszeiten und mehr Betreuungsmöglichkeiten auch mehr Frauen in die Politik locken würden, kann sich Haselwanter-Schneider gut vorstellen.

„Wir Frauen haben Know-how. Wir Frauen haben auch einen anderen Zugang zu Themen, einen anderen Blick auf sie und eine andere Perspektive, die wir in die Politik einbringen.“ In dem Wissen um die Stärke der Frauen scheut sich Haselwanter-Schneider nicht zu sagen, dass sie gern am Herd steht und vor allem das neue Backrohr so oft es geht befüllt.

Seit einem Jahr heißt das, oft zwei verschiedene Menüs zu zaubern. „Mein älterer Sohn und ich sind Vegetarier und der Jüngere und mein Mann sollen ja weiter bekommen, was sie wollen. Serviert werden bald die selbst gezogenen Tomaten, das ganze Jahr über geht es in die Innsbrucker Markthalle oder zum Hofladen im Dorf, wo wir nun bei einem kleinen Dorfrundgang frische Eier holen. „Ich lege Wert darauf, regional einzukaufen, und brauche keine Äpfel aus Chile. In der Markthalle habe ich die Bäuerin meines Vertrauens und im Winter gibt es halt Sauerkraut und gelbe Rüben.“

Am Rückweg fällt der Blick auf das Grün vor der Terrassenwohnung der Haselwanter-Schneiders. „Man muss es sagen. Es ist ein Luxus, wenn man hier in dieser Ruhe leben darf. Die Kinder konnten überall draußen spielen, als sie klein waren.“

Regelmäßig genießt Haselwanter-Schneider aber ihre Schwimmbadbesuche im Fitnessstudio. „Ich bin schon heute Morgen dort gewesen. Ich liebe es besonders im Sommer, ein paar Runden zu schwimmen“. Wie wichtig es ist, sich im Zeitalter von Social Media als Politikerin fit zu halten, weil das Äußere einer Person öffentlichen Interesses auf allen Kanälen kommentiert wird, dessen ist sich Haselwanter-Schneider bewusst. „Das spielt eine Rolle, aber mir ist das ja auch selber wichtig.“ Gemeinheiten hat die Politikern noch nie zu hören bekommen. Dafür gab es unlängst zu Haselwanter-Schneiders Facebookpost vom Wipptaler Schützenbataillonsfest Komplimente von weiblicher Seite. „Mit der Tracht bist du eine noch feschere Frau.“ Haselwanter-Schneider freut’s, denn die Tracht hat die Mama geschneidert.