Kind rechnet an der Tafel

Im Sommergespräch mit der Tiroler Tageszeitung macht ÖVP Bildungslandesrätin Beate Palfrader keine Ansagen zur Zukunft der Bildungspolitik in Tirol.

„Frau Bildungslandesrätin Palfrader, wo bleibt das bildungspolitisches Konzept dieser Landesregierung? In seiner Regierungserklärung hat Landeshauptmann Platter die Bedeutung der Bildung hervorgehoben. Aber jetzt, mehr als zwei Jahre später ist noch immer kaum etwas von Schulentwicklung zu sehen. Ich vermisse die ‘Treibhäuser der Zukunft’, die neugierige, wissbegierige, kreative und selbstsichere junge Menschen hervorbringen“, sagt LA Bernhard Ernst.

LH PLatter in seiner Regierungserklärung vom Juli 2008 zum Thema Bildung:

„Bildung ist der Schlüssel für die Zukunft – ich meine damit Bildung in einem umfassenden Sinn. Meine Regierung hat es sich zum Ziel gesetzt, jungen Menschen die besten Startchancen ins Leben zu bieten, die nur möglich sind.“

Schulsystem lässt viele junge Menschen zurück!

„Die Realität schaut anders aus. Nach wie vor bleiben in Tirol 1.000 junge Menschen jährlich ohne Schulabschluss und mehr als 10.000 Tiroler ohne Hauptschulabschluss. Das System der Leistungsgruppen an den Tiroler Hauptschulen degradiert mehr als 12.000 junge Tiroler in die 2. und 3. Leistungsgruppe. Davon rund 5.000 junge Menschen in die 3. Leistungsgruppe. Dazu kommt laut Synthesis-Forschung, dass jeder 5. in seinem Jahrgang nicht richtig lesen, schreiben oder rechnen kann“, sagt LA Ernst.

Die Liste Fritz – Bürgerforum Tirol setzt sich für folgende Initiativen ein und hat mehrere im Landtag initiiert:

  • Frühförderung in Form von tatsächlicher, qualifizierter, ganztägiger und ganzjähriger Kinderbetreuung.
  • Für Kinder mit Sprachdefiziten braucht es einen massiven Ausbau der Sprachförderung. Entsprechende Anträge von LA Gottfried Kapferer zum Ausbau der mobilen Sprachförderung haben ÖVP und SPÖ im Landtag abgelehnt.
  • Ein flexibler Personaleinsatzplan für Stütz- und Betreuungslehrer, für Kinder mit sprachlichen, körperlichen und geistigen Handicaps ist notwendig.
  • Es braucht die Abschaffung der Leistungsgruppen. Sie sind ungerecht und ineffizient, sie machen schlechte Schüler schlechter und gute nicht besser. Wir können die Leistungsgruppen in Tirol außer Kraft setzen und bieten ÖVP und SPÖ im September-Landtag die Gelegenheit dies zu tun und unseren Antrag zu unterstützen.
  • Dringend notwendig ist auch ein bedarfsorientierter Ausbau der schulischen Nachmittagsbetreuung.

Bildungspolitik: Weg von parteipolitischer Spielwiese!

„Wir haben derzeit fünf Schulsysteme für die 10- bis 14-jährigen Kinder. Hauptschulen, Schwerpunkthauptschulen am Land, Sonderschulen, die Neuen Mittelschulen und die Unterstufen der AHS. Mit dem von Landeschulinspektor Wöll entwickelten Modell der ´Tiroler Mittelschule` hätten wir dann sechs Schulsysteme in Tirol für die 10- bis 14-Jährigen. Für die Eltern ist angesichts dieses System-Wirr-Warrs kaum mehr zu durchblicken, was für die Zukunft ihre Kinder das Beste ist. Das schreit nach Reform und am Ende des Tages nach einer Gesamtschule, der 10- bis 14-Jährigen. Für die tausenden betroffenen Kinder und vor allem für ihre Eltern ist das parteipolitische Geplänkel rund um das Schulwesen nicht zu verstehen. Sie haben es satt, die Zukunft ihrer Kinder auf der parteipolitischen Spielwiese verloren gehen zu sehen“, stellt LA Ernst fest.

Foto: Dieter Schütz, pixelio.de