Postkasten

Vor zwei Jahren verabredete sich die Österreichische Post AG und die Ungarische Post dahingehend, dass jedes Jahr ein Wettrudern mit einem “Achter” auf der Donau ausgetragen werden sollte.

Beide Mannschaften trainierten lange und hart um die von ihnen geforderte Höchstleistung zu erreichen. Am Tag des großen Wettkampfes waren beide Mannschaften topfit.

Die Ungarn gewannen den Wettbewerb mit einem Kilometer Vorsprung.

Nach dieser Niederlage war das Team der Österreichischen Post AG sehr niedergeschlagen und die Moral war im Keller. Das Management in der Generaldirektion entschied, dass der Grund für diese vernichtende Niederlage unbedingt herausgefunden werden müsse. Ein Projektteam wurde eingesetzt um das Problem zu untersuchen und geeignete Maßnahmen zu empfehlen.

Die Untersuchung ergab: Das Problem lag daran, dass bei den Ungarn acht Leute ruderten und ein Mann steuerte, während beim österreichischen Team ein Mann ruderte und acht Mann steuerten.

Die Geschäftsleitung der Österreichischen Post AG engagierte sofort eine Beraterfirma, um eine Studie über die Struktur ihres Teams erstellen zu lassen. Nach angelaufenen Kosten in Höhe von 1,5 Millionen Euro und einigen Monaten kamen die Berater zum Schluss: Es steuern zu viele Leute und es rudern zu wenige!

Um einer neuerlichen Niederlage gegen die Ungarn im kommenden Jahr vorzubeugen, wurde die Teamstruktur wie folgt geändert: Es gab jetzt vier Steuerleute, zwei Obersteuerleute und einen Admiral. Außerdem wurde ein Leistungsbewertungssystem eingeführt, um dem Mann, der das Boot rudern sollte, mehr Ansporn zu geben. „Er soll sich noch mehr anstrengen, um ein Leistungsträger zu werden. Wir müssen seinen Aufgabenbereich erweitern und ihm mehr Verantwortung geben. Damit sollte es gelingen die Ungarn zu schlagen”, so das Management.

Im heurigen Jahr gewannen wieder die Ungarn – diesmal mit zwei Kilometern Vorsprung.

Das Management in der Generaldirektion der Post AG entließ daraufhin den Ruderer wegen schlechter Leistungen und verkaufte das Boot um die Hälfte des Schätzwertes. Der Beraterfirma wurde lobende Anerkennung für ihre Arbeit ausgesprochen und das eingesparte Geld sowie der Erlös des Bootsverkaufes wurde innerhalb der Führungsetage in Form einer Zielerreichungsprämie ausgeschüttet.

Diese natürlich frei erfundene Geschichte wäre eigentlich zum Lachen, wenn die Parallelen zum laufenden Ausverkauf der Post und deren daraus folgender Niedergang nicht so realistisch wären.

Eine Realsatire zur Post-AG von Bundesrat und Amtsdirektor, Stephan Zangerl