Menschen im Schatten
Peter F. aus dem Tiroler Oberland ist 29 Jahre und hat keinen Schulabschluss. Derzeit ist er arbeitslos und hat aufgrund seiner mangelnden Qualifizierung auch schlechte Aussichten auf einen Arbeitsplatz, vor allem jetzt in Zeiten der Wirtschaftskrise. Dank dem Projekt „ Abendhauptschule“ kann Peter seinen Pflichtschulabschluss am BFI nachholen. Die Frage ist wie lange noch? Lediglich bis März 2010 ist die Förderung des Bundesministeriums und des Europäischen Sozialfonds zugesagt. Wie es danach weitergehen soll ist ungewiss.

Über 11.000 Tiroler ohne Abschluss

Peter F. ist mit seinem Problem nicht alleine. In Tirol haben 11.219 erwerbsaktive Tiroler keinen Pflichtschulabschluss. Hinzu kommt eine große Dunkelziffer an Personen die nicht einmal in das Berufsleben integriert sind und deshalb nicht erfasst werden können. Im Schnitt ist ein Tiroler ohne Abschluss der Pflichtschule 150 Tage im Jahr arbeitslos. Ein Tiroler Mann ohne Abschluss verdient im Jahr lediglich € 8.590 (brutto). Das sind 4.000 Euro weniger als ein Tiroler mit Abschluss. Auch Frauen ohne Abschluss liegen in Tirol mit einem mittleren Bruttojahreseinkommen von € 6.380 deutlich unter dem Durchschnittseinkommen von Frauen mit Abschluss. Den Wert einer Ausbildung erkennen viele erst, wenn es schon zu spät dafür zu sein scheint, doch diese Menschen dürfen nicht auf der Strecke bleiben.

„Bildung ist das Um und Auf in der Zukunft. Kein Tiroler darf ohne Schul- und Berufsabschluss bleiben! Wir müssen die Tiroler bildungsmäßig fit machen, damit sie sich in der neuen Wirtschafts- und Arbeitswelt zurecht finden! Tirol hat drei Universitäten und mehrere Fachhochschulen, aber am wenigsten Maturanten und am wenigsten Uni- Absolventen!“ erklärt Fritz Dinkhauser.

Letzte Chance Abendhauptschule – Landesregierung bleibt untätig

Ein Ausweg aus der Misere ist das bedrohte Projekt „Abendhauptschule“, für viele die letzte Chance auf einen Abschluss und damit auf eine bessere Zukunft am Arbeitsmarkt. Dementsprechend groß ist der Andrang. Die finanziellen Mittel sind jedoch schon jetzt mehr als beschränkt. Lediglich 30 Teilnehmer pro Semester können aufgenommen werden. Die Anmeldungen würden jetzt bereits für eine dritte Klasse reichen. Das nötige Geld allen Bildungswilligen die Teilnahme an der Abendhauptschule zu ermögliche fehlt aber. Die Landesregierung bleibt untätig.

„Die Teilnehmer des Projekts Abendhauptschule fahren auf eigene Kosten von St. Johann oder Fiss nach Innsbruck, nehmen diesen Riesenaufwand auf sich. Ich sage, es darf kein Tiroler ohne Bildungsabschluss sein! Wer die Zukunft ernst nehmen will, muss die Bildungsfrage ernst nehmen. Wenn das Projekt Abendhauptschule eingestellt werden muss, ist das ein Signal für den Bildungsnotstand im Land. Wir haben eine Bildungsstrategie im Landtag eingebracht, ÖVP und SPÖ haben sie abgelehnt, eigene Ideen bleiben sie aber schuldig. Die Tiroler Landesregierung hat kein Gesamtkonzept für die Bildung, so verschlafen wir die Zukunft!“ betont LA Dinkhauser.