Altersheim

Fakten zum Pflegegeld in Tirol

In seinem Bericht „Pensions versicherungsanstalt: Vollzug des Bundespflegegeldgesetzes“ stellt der Bundesrechnungshof große Unterschiede bei der Auszahlung des Pflegegeldes fest:
  • In Tirol bekam ein durchschnittlicher Pflegegeldbezieher 4.849 € pro Jahr. Damit bekommt ein Pflegegeldbezieher in Tirol um 723 € pro Jahr weniger als in Vorarlberg (5.572 € pro Jahr).
  • Rechnerisch war die durchschnittliche jährliche Pflegegeldauszahlung je Pensionist in der Steiermark mit 922 € am höchsten und in Tirol mit 718 € am niedrigsten. Der Durchschnitt lag bei rd. 820 €.
  • In der Landesstelle Tirol wurden 2007 im Schnitt dreimal so oft Ablehnungsentscheidungen gerichtlich revidiert wie in der Landesstelle Steiermark. In Tirol war neben einer fast doppelt so hohen Klagsquote seitens der Betroffenen auch die Erfolgsquote ihrer Klagen mehr als doppelt so hoch wie in der Steiermark.

Knackpunkt Pflegegeld-Einstufung!

„Entscheidend ist die Pflegegeld-Einstufung. Viele Betroffene wollen den Gutachtern zeigen, was sie noch alles selbst können und zeigen sich so ´von ihrer besten Seite`. Die Betroffenen werden dann niedriger eingestuft. Die finanziellen Auswirkungen sind enorm. Zwischen der Pflegegeld-Stufe 1 (Pflegebedarf über 50 Stunden) mit 154,20 €, der Pflegegeld-Stufe 3 (Pflegebedarf über 120 Stunden) mit 442,90 € und der höchsten Pflegegeld-Stufe 7 (Pflegebedarf über 180 Stunden) mit 1.655,80 € monatlich klafft eine riesige finanzielle Lücke. Eine Reform der Pflegegeld-Einstufung ist dringend notwendig!“, sagt LA Andrea Haselwanter-Schneider.

Auch der Bundesrechnungshof kritisiert die Pflegegeld- Einstufung:

  • „Standards für die Auswahl und Einschulung der Gutachter fehlten. “

  • „Mehr als 400 Ärzte erstellten im Jahr 2007 rd. 107.000 Gutachten. (…) Ein einzelner Arzt erstellte bis zu 18 Gutachten am Tag, ein anderer nahm 13 Begutachtungen an einem Feiertag vor.“

  • Fazit: „Angesichts der erheblichen Einstufungsunterschiede hielt der RH eine exaktere Definition der Einstufungskriterien durch die PVA für unverzichtbar. “

    Theoretiker und Praktiker sollen wie in Bayern zusammenarbeiten!

    „Die Einstufung durch einen Gutachter ist eine Momentaufnahme des Betroffenen. Oft führt das zu einer falschen Einstufung. Um das zu verhindern, müssen Theoretiker und Praktiker zusammenarbeiten. Auch im benachbarten Bayern ist das gang und gäbe. Die Einstufungen sollen von Ärzten, Pflege- und Betreuungspersonen gemeinsam durchgeführt werden. So wie die Pflegegeld-Einstufung derzeit praktiziert wird gleicht sie einer Lotterie!“, so LA Haselwanter-Schneider.

    „Tirol hat die Chance verpasst, einen neuen Wege zu gehen. Ich habe bereits im Herbst letzten Jahres im Landtag einen Antrag zur besseren Pflegegeld-Einstufung für Betroffene und ihre Angehörige eingebracht. ÖVP und SPÖ haben ihn mit dem Argumente, Tirol dürfe keinen ´Einzelweg` gehen, abgelehnt. Absurd, denn der Bundesrechnungshof zeigt, dass jedes Bundesland einen eigenen Weg geht. Ich werde nicht locker lassen und einen neuen Antrag einbringen!“, kündigt LA Andrea Haselwanter-Schneider, Sozialsprecherin der Liste Fritz – Bürgerforum Tirol, an.