Jugendliche

Bildungs-Vortrag vor 120 Interessierten!

Dr. Andreas Salcher, ehemaliger ÖVP-Landespolitiker, Berater, Buchautor und Bildungsexperte, hat im Rahmen des Bürgertages 2010 des Bürgerforum Tirol – Liste Fritz zum Thema Bildung & Schule referiert. Im folgenden einige Auszüge aus seiner Rede.

Talente der Kinder fördern!

Die Grundthese von Dr. Salcher lautet: Wenige Kinder werden als Genies geboren, aber alle Kinder haben Talente! Schließlich lernen Kleinkinder noch bevor sie in die Schule kommen sehr viel. Sie freuen sich auch auf die Schule, aber schon nach der ersten Woche fragen sie ihre Eltern, wie lange sie noch zur Schule gehen müssen.

Kindern Freude am Lernen und Freude an der Schule zurückgeben!

Salcher plädiert beim Bildungs-Vortrag wie in seinem Buch der „Talentierte Schüler und seine Feinde“ dafür, den Kindern die Freude am Lernen und an der Schule zurückzugeben. Er will seine Kritik am Schulsystem vor allem als Plädoyer für die engagierten Lehrer verstanden wissen! Laut Salcher gibt es in unserem Bildungssystems zwei Todfeinde des Lernens: Angst und Langeweile. Angst entsteht aus Überforderung, Langeweile aus Unterforderung.

Wie Kinder lernen sollen…

Kinder lernen viel von selbst, Beispiel der Umgang mit der Computertechnologie. Sie lernen hier durch Ausprobieren und Fehler machen dürfen. Sie lernen voneinander und ihnen ist der Sinn klar, warum sie es lernen sollen, nämlich um sich etwa über facebook eine neue Welt zu erschließen.

Österreich: Viert teuerstes Schulsystem der Welt!

Ein Grundproblem ist, dass Schule auch heute noch nach dem Muster der industriellen Massenproduktion funktioniert. Salcher stellt eine falsche Entwicklung fest, wenn Österreich zwar das viert teuerste Schulsystem hat, aber trotzdem 50% der Schüler in der AHS Oberstufe Nachhilfe brauchen. Zudem seien 21% der Österreicher funktionale Analphabeten, das Ziel in einem Land wie Österreich müsse sein, dass keiner mehr Analphabet ist.

Bildung: ÖVP und SPÖ im ideologischen Stellungskrieg!

Bildungspolitisch, etwa was die Einführung der Gesamtschule betrifft, haben sich die beiden Regierungsparteien ÖVP und SPÖ seit 40 Jahren in eine Ideologiedebatte vergraben. Die ÖVP propagiert die Trennung der Kinder im Alter von 10 Jahren. Nach dem Motto „Wer etwas im Kopf hat, kommt ins Gymnasium, wer was im Ärmel hat, in die Hauptschule“. Die Funktionäre der ÖVP aber hätten ihre Kinder dann alle ins Gymnasium gesteckt, ätzt das einfache ÖVP-Mitglied Salcher. Nicht besser sei die SPÖ, auch ihre Funktionäre würden die Kinder bevorzugt in internationale Schulen schicken. Salchers Fazit: Müssten alle Politiker und Parteifunktionäre ihre Kinder in öffentliche Schulen schicken, wäre das Bildungsproblem in Österreich schon längst gelöst!

Schulpolitische Forderungen!

  •  Jedes Kind braucht seinen eigenen Lehrplan mit definierten Mindestanforderungen. Anstatt, wie beim Militär, Jahrgänge einzuziehen, sollten Kinder – je nach ihrem Talent – im einen Fach mit den älteren und im anderen Fach mit den jüngeren Kindern lernen dürfen.
  • Lehrer müssen anders unterrichten, sie müssen nachmittags an der Schule sein, Hausaufgaben braucht es keine und die 50 Minuten Unterrichtsstunde ist ein unnötiges Relikt.
  • Nur die Besten sollten Lehrer werden dürfen. In Finnland wird nur einer von zehn, die Lehrer werden wollen, auch genommen.
  • Jeden 10. Lehrer hält Salcher für nicht geeignet, aber gerade diese Lehrer würden das Berufsbild stark prägen. Damit die Arbeit der engagierten Lehrer zunichte machen. Herausragende Lehrer sollten entsprechend belohnt werden.
  • Die Kompetenz gehöre an die Schulen, ein Direktor solle sich seine Lehrer aussuchen können.
  • Letztlich sei viel mehr auf die Lehrerauswahl zu schauen, mehr auf die Lehrerfortbildung, der Lehrberuf sei für Menschen aus anderen Berufen zu öffnen und ausgebrannten Lehrern seien Ausstiegsmöglichkeiten zu bieten.