Armut

In Tirol bekommt – laut Berechnungen der Armutskonferenz – nur etwa ein Drittel aller Anspruchsberechtigten auch wirklich die Mindestsicherung, zwei Drittel dagegen beziehen sie nicht, obwohl sie die Bedingungen dafür erfüllen würden. Die Mindestsicherung hat die Sozialhilfe als soziales Auffangnetz abgelöst.

“Menschen, die die Mindestsicherung brauchen, leben wahrlich nicht auf der Schokoladenseite des Lebens. Es betrifft Familien mit vielen Kindern, Tiroler mit niedrigen Einkommen, Pflegebedürftige und deren pflegende Angehörige. Wer bei der Mindestsicherung zynisch von der sozialen Hängematte redet, der irrt sich oder betreibt Politik auf dem Rücken der Schwächsten”, stellt Klubobfrau LA Andrea Haselwanter-Schneider fest.

Bezieher von Mindestsicherung sollen keine Bittsteller sein!

“Die Mindestsicherung beträgt 753 Euro monatlich, 12 Mal im Jahr für eine alleinstehende Person. Wer in Tirol die Mindestsicherung braucht, darf kein Bittsteller sein. Wenn in Tirol zwei Drittel der Anspruchsberechtigten die Mindestsicherung nicht beziehen, dann hat das Land Tirol Nachholbedarf, um seine soziale Verantwortung wahrzunehmen”, ist Haselwanter-Schneider überzeugt.

Zum Nachlesen:

Statistik über die Mindestsicherung in Österreich nach BundesländernDie größte Hürde: Scham!

Die Liste Fritz – Bürgerforum Tirol sieht mehrere Gründe dafür, dass nur etwa ein Drittel der Anspruchsberechtigten in Tirol tatsächlich auch die Mindestsicherung bezieht. Es geht um Scham, es braucht einheitliche Regelungen und mehr Information.

“Die größte Hürde in Tirol ist sicherlich der Ort der Beantragung, nämlich das örtliche Gemeindeamt. Wer auf Sozialunterstützung angewiesen ist, schämt sich oft, dies zuzugeben. Erst recht wenn man in einem kleinen Dorf wohnt, wo jeder jeden kennt. Die Mindestsicherung soll daher jeder betroffene Tiroler an einer unabhängigen Stelle beantragen können, etwa an der Bezirkshauptmannschaft oder in der Arbeiterkammer”, schlägt Haselwanter-Schneider vor.

Österreichweit einheitliche Regelung notwendig!

“Selbstverständlich braucht es auch einheitliche Regelungen in allen Bundesländern. Es kann nicht sein, dass es für dieselben sozialen Existenzprobleme der Menschen neun verschiedene Regelungen gibt. Spezielle Probleme in den einzelnen Bundesländern, etwa die extrem hohen Kosten fürs Leben und Wohnen in Tirol, sind dann zusätzlich zu berücksichtigen. Schließlich ist offensichtlich, dass es in Tirol ein Informationsdefizit gibt. Noch immer wissen zu wenige Betroffene wirklich Bescheid, wie sie zur Mindestsicherung kommen. Das sollte ihnen die Politik nicht absichtlich schwer machen, nur um möglichst wenige Bezieher zu haben”, erklärt Klubobfrau LA Andrea Haselwanter-Schneider.