Menschen im Schatten

Fakten zum Lehrstellenangebot in Tirol

Trotz der dramatisch gestiegenen Arbeitslosenzahlen in Tirol ist der erste Blick auf die Statistik des Arbeitsmarktservice in punkto Lehrstellen beruhigend. In Tirol hat es im Juli mehr offenen Lehrstellen (1.185) als Lehrstellen suchende Jugendliche (807) gegeben. Der zweite, genauere Blick zeigt die problematische und in einigen, wenigen Bezirken überraschende Situation für die jungen Menschen:

  • Bezirk Kitzbühel: Im Juli suchen 21 Jugendliche eine Lehrstelle – das ist ein Minus von 12,5% gegenüber dem Vorjahr. Dazu gibt es 240 offene Lehrstellen, ein Plus von 14,8% gegenüber dem Vorjahr. Mehr als die Hälfte der 240 offenen Lehrstellen gibt es im Tourismus (129). Im Handel und Verkehr (40), bei den Metall- und Elektroberufen (22), im Büro (11).
  • Bezirk Schwaz: Im Juli suchen 42 Jugendliche eine Lehrstelle – das ist ein Plus von 5,0% gegenüber dem Vorjahr. Zwar gibt es 150 offene Lehrstellen, davon aber mit 82 Plätzen weit mehr als die Hälfte im Tourismus. Dazu im Bereich Handel und Verkehr (28) sowie bei den Metall- und Elektroberufen (13). Die Auswahl ist gering.
  • Bezirk Imst: Im Juli suchen 90 Jugendliche eine Lehrstelle – das ist ein Plus von 66,7% gegenüber dem Vorjahr. Aber es gibt nur 76 offene Lehrstellen und die kommen mit 39 Plätzen vor allem aus dem Tourismus. Dazu noch aus dem Bereich Handel und Verkehr (21).
  • Großraum Innsbruck: In den Bezirken Innsbruck und Innbruck-Land suchen im Juli 391 Jugendliche eine Lehrstelle – das ist ein Plus von 16,7% gegenüber dem Vorjahr. Aber es gibt nur 319 offene Lehrstellen und die kommen mit 95 Plätzen vor allem aus dem Tourismus. Dazu noch aus den Bereichen Handel und Verkehr (92), Metall- und Elektroberufe (32), Büro (24) und Friseure (22).
  • Bezirk Kufstein: Im Juli suchen 83 Jugendliche eine Lehrstelle – das ist ein Plus von 23,9% gegenüber dem Vorjahr. Zwar gibt es 103 offene Lehrstellen (ein Minus von 34,4% gegenüber dem Vorjahr), aber dabei wenig Auswahl. Am meisten offene Lehrstellen finden sich im Bereich Handel und Verkehr (39) und im Tourismus (34).
  • Bezirk Reutte: Im Juli suchen 41 Jugendliche eine Lehrstelle – das ist ein Plus von 115,8% gegenüber dem Vorjahr. Zwar gibt es 97 offene Lehrstellen (ein Minus von 10,2% gegenüber dem Vorjahr) aber mehr als die Hälfte der 97 offenen Lehrstellen gibt es bei den Metall- und Elektroberufen (58). Dazu im Tourismus (23), sowie im Bereich Handel und Verkehr (13).
  • Bezirk Lienz: Im Juli suchen 94 Jugendliche eine Lehrstelle – das ist ein Plus von 51,6% gegenüber dem Vorjahr. Aber es gibt nur 61 offene Lehrstellen und davon kommt mit 27 Plätzen knapp die Hälfte aus dem Tourismus sowie aus dem Bereich Handel und Verkehr (15). Der Rest verteilt sich.
  • Bezirk Landeck: Zwar suchen im Juli im Bezirk Landeck nur 45 Jugendliche eine Lehrstelle – das ist ein Minus von 19,6% gegenüber dem Vorjahr. Und es gibt 139 offene Lehrstellen (ein Minus von 19,2% gegenüber dem Vorjahr). Aber weit mehr als die Hälfte der 139 offenen Lehrstellen gibt es im Tourismus (95). Dazu noch im Bereich Handel und Verkehr (23). Viele Jugendliche wollen aber nicht im Tourismus arbeiten.

„Besser als ein falscher Lehrplatz ist ein guter Schulplatz. Wenn ein Jugendlicher nicht Koch oder Kellner werden will, bringt es nichts ihn in eine solche Stelle zu drängen. Es nützt dem Betrieb nichts und ihm nichts. Da fängt das Unglück für die jungen Leute schon am Beginn ihrer Arbeitskarriere an. Besser ist es, die jungen Menschen machen eine gute Ausbildung in einer Schule, denn Bildungschancen sind Zukunftschancen!“, sagt LA Fritz Dinkhauser.

Lehrwerkstätten statt Jugendliche ohne Lehrstellen!

Für LA Dinkhauser sind die jungen Menschen das wichtigste Gut für die Zukunft. Mit ihnen müsse die Gesellschaft behutsam umgehen.

„Jugendliche brauchen Perspektiven. 1.000 junge Menschen, die jedes Jahr ohne Schul- oder Berufsabschluss bleiben, sind nicht hinzunehmen. Kein Tiroler Jugendlicher darf ohne Beschäftigung sein! Früher hat es viele Lehrwerkstätten bei der Post, bei der Bahn, bei Swarovski, bei Plansee, bei den Jenbacher Werken etc. gegeben. Sie haben sich als Talente-Bringer erwiesen. Da sind gefragte Leute ausgebildet worden, besonders auch für viele Klein- und Mittelbetriebe. Das kann und soll die Landespolitik unterstützen und forcieren. Wir werden in Zukunft immer mehr Facharbeiter brauchen. Daher dürfen wir die jungen Menschen nicht irgendwie, sondern gezielt ausbilden“, verlangt LA Dinkhauser mehr Unterstützung für die jungen Menschen.