Bildung

Großbaustelle Tiroler Bildungssystem!

Wenn man die Aussagen von ÖVP-Bildungslandesrätin Beate Palfrader im Interview mit der Tiroler Tageszeitung liest, könnte man den Eindruck bekommen, das Hauptproblem der Tiroler Bildungspolitik sind nervige Eltern. Dem ist natürlich nicht so und wir sind froh, dass sich Eltern einmischen, weil es um das Wohl ihrer Kinder geht”, schickt Klubobfrau LA Andrea Haselwanter-Schneider voraus.

“Was notwendig ist und was mir völlig abgeht, ist das Ansprechen der wirklichen Baustellen in der Bildung. Erst kürzlich hat die EU-Wettbewerbsstudie die Probleme des Bildungssystems schonungslos aufgezeigt. Tirol ist in der EU-Rangliste bei der Bildung um 40 Plätze auf Platz 166 abgestürzt. Die Landesregierung übt sich trotzdem im Schönreden und verschweigt die Baustellen der heimischen Bildungspolitik, die Kinder, Eltern und die Mitarbeiter im Bildungsbereich ausbaden müssen”, stellt Andrea Haselwanter-Schneider fest.

Einige Baustellen der heimischen Bildungspolitik:

Andrea Haselwanter-Schneider von der Liste Fritz> Flickwerk Kinderbetreuung:

  • Nur etwa jedes fünfte Kind unter 3-Jahren hat einen Betreuungsplatz, die EU-Vorgabe von 33% verfehlt Tirol weit, Wien liegt bei 35%, das Burgenland bei 30%! Nach wie vor gibt es keinen Rechtsanspruch auf einen Kinderbetreuungsplatz für die unter 3-Jährigen, wie etwa in Deutschland. Diesen Rechtsanspruch auf Kinderbetreuung fordern wir ein.
  • Zwar hat Tirol ein Gesetz wonach die Kinderbetreuung ganztägig und ganzjährig anzubieten ist, allein die Eltern merken davon wenig. Laut Landesrechnungshof hat nicht einmal jeder zweite Kindergarten (42%) nach 14.00 Uhr noch offen und 80 Prozent der Kindergärten schließen freitags um 14.00 Uhr!
  • Dazu haben die Kindergärten rund 12 Wochen pro Jahr geschlossen, die Kinderkrippen fast 9 Wochen, bei 5 Wochen Jahresurlaub der Eltern!

> Problem Schulsystem:

  • Jährlich bleiben in Tirol 1.000 Jugendliche ohne Schul- und Berufsabschluss. Diesen jungen Menschen bleiben gerade noch Jobs als Hilfsarbeiter, sie brauchen die zweite und dritte Chance, um ihren Hauptschulabschluss nachzuholen und einen Berufsabschluss zu schaffen.
  • Jährlich leistet es sich Tirol, dass rund 350 Hauptschüler keinen wohnortnahen Platz in einer weiterführenden Schule bekommen. Das heißt, ein Mädchen aus Patsch müsste täglich nach Wörgl und retour pendeln, um eine höhere Schule besuchen zu können. Die Folge ist klar, diese Bildungskarriere scheitert.
  • Die schulische Nachmittagsbetreuung muss flexibler werden, die Anwesenheitspflicht ist zu starr. Kinder sollen früher nach Hause gehen dürfen, auch wenn sie beispielsweise an diesem Tag bis 17.00 Uhr angemeldet sind.

Bildungspolitik: Nicht schönreden, sondern handeln!

“Gar nicht angesprochen hat die ÖVP-Bildungslandesrätin das Thema Integration. Neben dem Recht auf Integration am Papier, muss es für die Eltern auch in der Praxis erlebbar sein. Die Eltern und ihre Kinder dürfen nicht länger im Kreis geschickt werden. Gar nicht angesprochen, ist auch die schlechteste Maturanten- und Akademikerquote, die wir in Tirol haben. Die Probleme bei der Kinderbetreuung und im Schulsystem bilden sich hier ab. Kein Thema auch die Tatsache, dass nur ganz wenige Tiroler einen Studienplatz an der Meduni Innsbruck ergattern”, erklärt Klubobfrau LA Andrea Haselwanter-Schneider.