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Fritz Dinkhauser, Andrea Haselwanter-Schneider und Andreas Brugger von der Liste Fritz

Kommentar Fritz Dinkhauser "Olympia in Innsbruck: Dreimal ist genug!"

Die vierten Olympischen Spiele in Innsbruck und Tirol 2026 – nach 1964, 1976 sowie den Weltjugendspielen 2012 – sind politischer Größenwahn mit enormen finanziellen und ökologischen Belastungen. Am Sonntag 15.10.2017 wird darüber in Tirol abgestimmt.

Finanziell bessergestellte Mitbewerber in den Nachbarländern haben Nein zu Olympia gesagt: Graubünden mit der renommierten Tourismusdestination St. Moritz 2013 und 2017, ebenso München mit Garmisch-Partenkirchen 2013. Tirol ist heute das Land mit den meisten Wintersportevents Europas, wobei die menschlichen und finanziellen Grenzen ausgereizt und die Belastung für die Natur überreizt sind. Das Tiroler Inntal ist als europäisches Luftsanierungsgebiet ausgewiesen, 10.000 Schneekanonen in Tirol müssen Tonnen von Kunstschnee aus Trinkwasser erzeugen, der Bodenverbrauch und die Bodenversiegelung schreiten ungebremst voran. Tirols Tourismus hat mehr Nächtigungen als Paris, Berlin und Wien zusammen. Aber dieser Massentourismus führt zu einer ungesunden Monokultur, sodass die Hälfte der Tiroler Arbeitnehmer nur Teilzeit arbeiten, im Tourismus sogar 80 Prozent – bei generell niedrigen Löhnen und hoher Stellenabhängigkeit mangels Alternativen.

Gier und Angst

Wer im Tiroler Tourismus braucht bei den ständig verstopften Straßen, überlasteten Pisten, immer geringeren Schneedecken, vollen Hotels sowie vielfach frustrierten und oft schwer zu findenden Mitarbeitern noch Olympische Spiele? Die einen treiben gnadenlose Gier und die Angst, irgendeine Chance auf noch mehr zu verpassen. Die anderen in der Politik treibt die alte Brot-und-Spiele-Taktik, um mit Olympia von den wahren Sorgen der Menschen abzulenken. Die wirtschaftliche Nachhaltigkeit und Attraktivität von Olympischen Spielen lässt sich im Nachhall der Spiele 1964 und 1976 in Innsbruck nüchtern betrachten: Der internationale Ruf Innsbrucks als Olympiastadt wurde mit einer gigantischen Verschuldung erkauft. Die Folgekosten für Instandhaltung und Betriebsführung der Sportgroßanlagen hatten die Bürger aus den öffentlichen Budgets zu tragen. Um finanziellen Handlungsspielraum zu bekommen, hat Innsbruck Jahre später sein Familiensilber in Form des Achensees verkauft.

Hohe Preise

Großevents wie Olympische Spiele bringen Preissteigerungen bei Grund-, Boden- und Mietpreisen. Vom Bier bis zum Kaffee ist in fast allen Bereichen des Lebens ein enormer Preisschub zu beobachten. Tirol ist heute ein Hochpreisland, Innsbruck hat von allen Landeshauptstädten die höchsten Mietpreise mit 16 Euro pro Quadratmeter, also 1120 Euro für eine 70-Quadratmeter-Mietwohnung! Die Tiroler bekommen die niedrigsten Einkommen bei den gleichzeitig höchsten Lebenshaltungs- und Wohnkosten. Die Vorarlberger erhalten – offensichtlich ohne den behaupteten wirtschaftlichen Impuls von Olympischen Spielen – durchschnittlich 240 Euro netto monatlich mehr Einkommen. Das IOC ist im Ausrichterland steuerbefreit, es agiert mit seinen Knebelungsverträgen (Host City Contracts) gegenüber seinen Partnern wenig fair. Nichtsdestotrotz sind das IOC und internationale Großsponsoren die wirklichen Gewinner. Sie verdienen Milliarden, den Bürgern bleiben die Schulden. Dazu kommen laufende Kosten durch Instandhaltung und Betrieb der olympischen Wettkampfstätten.

Neue Großevents

Und weil die Wettkampfstätten nun schon da sind, braucht es regelmäßig weitere Großevents. Die Erwartungslage an Stadt und Land ist enorm, in der Folge ähnlich attraktive Sportveranstaltungen durchzuführen. Die Kosten dafür sind hoch, das Geld kommt durch Einsparungen bei der Infrastruktur, Bildung, Wohnen und Zuwendungen an den Breitensport herein. Olympische Spiele sind eine gesamtösterreichische, keine lokal auf Innsbruck oder regional auf Tirol begrenzte, sportliche und finanzielle Großveranstaltung. Erstaunlich, dass die Steuerzahler außerhalb Tirols zwar mitzahlen, aber nicht mitreden und abstimmen dürfen. Die olympische Idee eines sportlichen, friedlichen Festes der Völkerverbindung der Jugend ist nach den skandalösen Spielen von Sotschi und Rio mit Korruption, Bestechung und staatlich organisiertem Doping inklusive Milliardendefizit in dieser Form und mit diesem Partner IOC vorerst gestorben.

Kasino-Mentalität

Auch das ÖOC blickt auf eine zweifelhafte Vergangenheit in den eigenen Reihen, so wurde ÖOC-Generalsekretär Heinz Jungwirth 2013 wegen Untreue verurteilt. Die "Kasino-Mentalität", wonach das volle Risiko die anderen tragen, ist vorbei. Das ÖOC sollte seine ganze Kraft in die komplette Erneuerung der Spiele stecken. Mit Blick auf Olympia in den vergangenen Jahrzehnten sind kleine, billige und nicht riskante Olympische Spiele unrealistisch und unglaubwürdig. Das ÖOC weiß natürlich, dass es angesichts von 100 Wettkampfdisziplinen, tausenden Sportlern, Funktionären, Sponsoren und Medienvertretern sowie hunderttausenden Zuschauern keine billigen und nicht riskanten Spiele gibt. Dass Olympische Spiele 2026 angesichts von nicht budgetierten Sicherheitskosten in Millionenhöhe auch ihren Preis haben werden. Die Aussage von internationalen Experten, dass Olympische Spiele in den vergangenen Jahrzehnten um durchschnittlich 156 Prozent teurer geworden sind, bestätigt die Olympia-Kritik. Noch deutlicher tut es der Blick auf Innsbruck: Die angeblich günstigen Olympischen Winterspiele 1976 in Innsbruck sind letztlich zehnmal so teuer geworden wie geplant.

Erschienen in der Online- und Printausgabe des Standard. Abrufbar unter: http://derstandard.at/2000065561185/Olympia-in-Innsbruck-Drei-Mal-ist-genug

Weitere Infos unter www.nein-zu-olympia.at

 

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