Altes Dokument aus der Nazi-Zeit

Als Osttirol während der NS-Zeit Teil des Gaues Kärnten war haben die gleichgeschalteten Behörden die ersatzlose Enteignung der Gemeinden durchgeführt. Der NS-Behördenleiter, Dr. Haller, hat 123 ersatzlose Enteignungsverfahren (=Regulierungen) begonnen, davon 113 bis zum Ende des Krieges abgeschlossen. 10 blieben unerledigt.

Hintergrund:

Enteignung der Osttiroler Gemeinden in NS-Zeit: Unrechtsakt in Unrechtsregime!

“Diese generalstabsmäßig durchgeführte, ersatzlose Enteignung der Osttiroler Gemeinden durch die Nationalsozialisten war ein Unrechtsakt in einem Unrechtsregime! Bürgermeister waren vom Regime ernannt, nicht gewählt, die Behörde gleichgeschaltet. Binnen weniger Tage haben sich alle Behörden zusammengetan und das gesamte Gemeindegut der Osttiroler Gemeinden in neu gegründete Agrargemeinschaften verschoben”, erläutert Gemeinderat Ulrich Stern, der Akten und Urkunden in den Landesarchiven von Tirol und Kärnten ausgegraben hat.

Georg Willi, Ulrich Stern und Andreas BruggerNS-Unrecht in Osttirol als Betriebsanleitung für Nordtirol!

“Die Methodik der ersatzlosen Enteignung der Gemeinden haben die Nationalsozialisten in Osttirol erfunden und damit nach dem Krieg die Betriebsanleitung für die Landesbehörden in Nordtirol geliefert, um die Gemeinden auch hier ersatzlos zu enteignen. Mit den sogenannten Haller´schen Urkunden haben wir das missing link, das fehlende Teilstück, zwischen dem Agrar-Unrecht in Osttirol während der NS-Zeit und in Nordtirol nach dem Krieg gefunden“, erklären Grünen-Klubobmann Georg Willi und FRITZ-Agrarexperte Andreas Brugger.

NS-Unrecht erkannt, Wiedergutmachung notwendig!

Die Liste Fritz – Bürgerforum Tirol und die Tiroler Grünen sind überzeugt, dass keine politische Gruppierung heute mit den Praktiken der NS-Zeit konform geht und daran anstreifen möchte. Sie fordern Wiedergutmachung!

“Anders als etwa beim Eigentum katholischer Orden hat es beim Gemeindegut nach dem Krieg keine Restitution, also Rückgabe an die Gemeinden als rechtmäßige Eigentümer gegeben. Im Gegenteil: Die Landesbehörde hat die Unrechtsakte des NS-Unrechtsregimes fortgesetzt und der Landesagrarsenat bezeichnet sie heute als gütliche Vereinbarung. Weil wir jetzt aber um die Unrechtmäßigkeit dieser Vorgansweise wissen, erwarten wir, die entschlossene Wiedergutmachung”, verlangen Klubobmann Georg Willi und LA Andreas Brugger.

Hintergrund & Wissen: Alle Informationen und Dokumente zum Unrecht Agrargemeinschaften

Rückübertragung des Gemeindegutes an die Gemeinden ist notwendig!

“Auch in Osttirol hat das Gemeindegut den Gemeinden gehört und wurde ihnen genommen. Die ersatzlos enteigneten Gemeinden in Osttirol und in Nordtirol haben ihr Gemeindegut daher wiederzubekommen, die Rückübertragung an die Gemeinden ist – wissenschaftlich belegt – rechtlich möglich und machbar, sie muss nur parteipolitisch gewollt sein! Wir wollen, dass die Gemeinden die Jagdpacht und den Holzüberling bekommen und es keine Hauptteilungen mehr gibt, weil sie immer zum Schaden der Gemeinden ausgehen“, kündigen Klubobmann Georg Willi und LA Andreas Brugger entsprechende Anträge im Landtag an.